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Gehen und Geden­ken

gehen - gedenken- mauthausen
Man­che Wege beginnt man nicht ein­fach.

Sie ver­lan­gen Sorg­falt und die Bereit­schaft, sich auf etwas ein­zu­las­sen, das grö­ßer ist als man selbst.
So haben wir – Regi­na und ich – „Gehen und Geden­ken“ im Jahr 2023 erlebt.

Der Impuls zur Teil­nah­me kam von Regi­na. Rück­bli­ckend bin ich froh, dass sie uns ange­mel­det hat. Ich weiß gar nicht, ob ich die­sen Schritt allei­ne gemacht hät­te.

Ein Ritu­al – der Pla­ne­ta­ry Dance nach Anne Hal­prin – führ­te uns in den Stein­bruch der KZ-Gedenk­stät­te Maut­hau­sen – einem Ort, der bis heu­te für kaum vor­stell­ba­res Leid steht.
Die sorg­fäl­ti­ge Vor­be­rei­tung war gera­de des­halb ein wesent­li­cher Teil des Weges.

Wir lern­ten die Grup­pe bereits am Vor­tag ken­nen, beschäf­tig­ten uns mit der Geschich­te des Ortes und tausch­ten uns über unse­re Beweg­grün­de aus.
War­um sind wir hier?
So konn­ten wir die­sem Ort mit Respekt und der nöti­gen Behut­sam­keit begeg­nen

Die­se Erfah­rung machen wir auch in unse­rem Gäs­te­haus. Immer wie­der erle­ben wir, wie wich­tig eine acht­sa­me Beglei­tung ist. Sie schafft Ver­trau­en und öff­net den Raum, um den eige­nen Weg zu fin­den.

Am Tag des Ritu­als tra­fen wir uns im Besu­cher­zen­trum der Gedenk­stät­te Maut­hau­sen. Noch ein­mal saßen wir gemein­sam im Kreis. Es war spür­bar, wie sich alle inner­lich auf die­sen Ort ein­lie­ßen. Dann gin­gen wir schwei­gend zum Stein­bruch – ein­ein­halb Stun­den in Stil­le, beglei­tet von weni­gen, behut­sa­men Impul­sen. Es war kein Ver­such, das Unbe­greif­li­che zu erklä­ren. Das Gehen in der Stil­le wirk­te in jeder und jedem Ein­zel­nen auf ganz eige­ne Wei­se.

Beson­ders berühr­te mich der Weg hin­aus aus dem Lager. Wir lie­ßen das Tor hin­ter uns und durf­ten uns wie­der frei bewe­gen. Im Maschen­draht hing ein Herbst­blatt. Gleich dahin­ter Wie­sen und Fel­der. Wir durf­ten wei­ter­ge­hen. Die Men­schen, die hier ein­ge­sperrt waren, konn­ten das nicht. Die­ses Bild beglei­tet mich bis heu­te.

Das Ritu­al selbst möch­te ich gar nicht genau­er beschrei­ben. Man­che Erfah­run­gen ver­lie­ren etwas, wenn man ver­sucht, sie in Wor­te zu fas­sen. Nur so viel: Das Gehen wirkt über den Kör­per auf den Geist. Die Gemein­schaft ent­steht im gemein­sa­men Gehen. Ganz ein­fach. Ohne Pro­gramm.

Auch die gemein­sa­me Nach­be­rei­tung gehör­te zu die­sem Weg. Zeit, das Erleb­te zu inte­grie­ren. Der Erfah­rung Raum und Aus­druck zu geben.

Anschlie­ßend fuh­ren Regi­na und ich noch für eini­ge Tage in die Ber­ge und nah­men das Erleb­te mit. Wäh­rend des Gehens wur­de uns bewusst: Frie­den beginnt nicht nur zwi­schen Staa­ten. Er beginnt im täg­li­chen Mit­ein­an­der – in der Fami­lie, in der Nach­bar­schaft und über­all dort, wo Men­schen ein­an­der begeg­nen. Genau dort kön­nen wir unse­ren klei­nen Bei­trag leis­ten.

Die­se Erfah­rung wirkt bis heu­te in unse­rem All­tag nach.

Wer sich auf die­sen beson­de­ren Weg ein­las­sen möch­te, hat am 12. und 13. Sep­tem­ber 2026 wie­der Gele­gen­heit dazu. Aus unse­rer Sicht ist „Gehen und Geden­ken“ eine außer­ge­wöhn­lich acht­sam gestal­te­te Erfah­rung, die lan­ge nach­wirkt.

Nähe­re Infor­ma­tio­nen

Fotos: Micha­el Schrot­ter