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Wirts­haus im Wan­del…

Schank Mitte 1960er Jahre

Wann waren Sie zuletzt im Wirts­haus? In einem “rich­ti­gen” Wirts­haus, mei­ne ich. Damit sind wir schon bei einer der Kern­fra­gen: Was ist das über­haupt? Wel­che Bil­der tau­chen da auf — und stim­men die­se Bil­der noch mit unse­rer Wirk­lich­keit über­ein?

Eine Fra­ge der Defi­ni­ti­on

Die­se Fra­ge öff­net also auch eine his­to­ri­sche Dimen­si­on: Wie unse­re Gesell­schaft, so hat sich näm­lich auch das Wirts­haus – und sei­ne Funk­ti­on – im Lauf der Jah­re ver­än­dert.

Das Dorf­wirts­haus von anno dazu­mal

Das Gast­haus Jus­ter – so wie es Marie Pich­ler, Die­ters Oma, von 1933 bis ca 1975 führt, das ist viel­leicht der Inbe­griff eines „rich­ti­gen“ Wirts­hau­ses. Hier kommt der Post­kut­scher eben­so her­ein, wie die Men­schen aus dem Dorf auf ihrem Heim­weg von der Arbeit. Hier tref­fen sich die Kirch­gän­ger bevor sie ihren wei­ten Heim­weg durch den Wald zurück nach Ulrich­schlag antre­ten. Sonn­tags nach der Kir­che ist das Wirts­haus voll. Ein Glas Bier oder Wein, ein Krach­erl, einen Schnaps – viel­leicht noch ein Paar Würs­tel. Das ist das über­schau­ba­re Pro­gramm.

Frisch in den Som­mer

Som­mer­fri­sche – da ist auch mit­tags der Gast­gar­ten gut besucht. Es gibt ein soli­des Mit­tag­essen, Sup­pe, Haupt­spei­se, Nach­spei­se. Die Auf­zeich­nun­gen aus den frü­hen 60er Jah­ren von Trau­de, Die­ters Mut­ter, lie­gen noch vor. Ein täg­lich wech­seln­des Gericht. Kalbs­bra­ten, Schwei­ne­bra­ten, Selch­fleisch, Faschier­ter Bra­ten, Buch­teln, Maril­len­ku­chen – boden­stän­dig und sai­so­nal. Auch das ist eine Funk­ti­on des Wirts­hau­ses – der flo­rie­ren­de Som­mer­tou­ris­mus will bedient sein. In bei­na­he jedem Haus im Ort gibt es ein paar Pri­vat­zim­mer. Die Leu­te aus der Stadt wol­len ins Grü­ne, in den Wald, zum Teich. Sie ver­brin­gen meh­re­re Wochen im Ort und brau­chen täg­lich ein war­mes Mit­tag­essen.

öffent­lich oder pri­vat?

Dann nimmt das Wirt­schafts­wun­der sei­nen Lauf – und die Men­schen begin­nen aus­zu­ge­hen. Es gibt Wild­wo­chen, es gibt außer­ge­wöhn­li­che Mee­res­ku­li­na­rik, der Fest­saal ist an die­sen Wochen­en­den gut besucht. Immer noch keh­ren – vor allem frei­tags – die Arbei­ter vom Forst­be­trieb nach der Lohn­aus­zah­lung im Wirts­haus ein. Es wird Kar­ten gespielt, es wird dis­ku­tiert, manch­mal wird es laut. Dann wird einer vor der Tür gesetzt, damit wie­der Ruhe ein­kehrt.

Das Wirts­haus als Ort des Dorf­le­bens, wo All­tag ver­han­delt wird, wo eine öffent­li­che Begeg­nung abseits des Arbeits­le­bens mög­lich ist.

Der klei­ne Luxus zwi­schen­durch

Irgend­wann ver­la­gert sich die­ses Frei­zeit­ver­hal­ten ins Pri­va­te. Das Ein­kom­men wird zur Schaf­fung eines Eigen­hei­mes auf­ge­spart. Die Fami­li­en ver­rei­sen mit den Kin­dern. Auch die Som­mer­fri­sche kommt aus der Mode. Und eine neue Gene­ra­ti­on von Wirts­leu­ten wächst her­an. Die möch­ten mehr Gestal­tungs­spiel­raum, als bis zur Sperr­stun­de nur hin­ter der Schank zu ste­hen. Der halb­öf­fent­li­che Raum des Wirts­hau­ses wird zu einer indi­vi­du­el­len Büh­ne für die Inha­ber des Eta­blis­se­ments.

Das Wirts­haus wird zum Spe­zia­li­tä­ten­re­stau­rant. Das Wirts­haus wird anspruchs­voll aus­ge­stal­tet. Die Spei­se­kar­ten wer­den län­ger und län­ger. Die Gäs­te wer­den wäh­le­risch. Die Gas­tro­no­mie wird gebo­ren. Mit ihr der Gas­tro-Kri­ti­ker, Ster­ne, Hau­ben, Stan­dards. Und wo bleibt hier das Wirts­haus?

Kul­tur und noch mehr

In Guten­brunn ent­steht mit der Über­nah­me des „Gast­haus Jus­ter vor­mals Pich­ler“ an die nächs­te Gene­ra­ti­on das Büh­nen­wirts­haus. Die­ter möch­te die Kul­tur aus der Stadt aufs Land holen. Es wird eine Erfolgs­ge­schich­te. Der Fest­saal wird zum Büh­nen­raum. Schein­wer­fer wer­den mon­tiert, eine Ton­an­la­ge instal­liert. Das kul­tu­rell inter­es­sier­te Publi­kum schätzt die gute Küche nach wie vor – die Tische sind vor jeder der Vor­stel­lun­gen aus­re­ser­viert und auch danach. Der Laden brummt von Don­ners­tag bis Sonn­tag. Für die Ach­terl­trin­ker wird es eng. Irgend­wann wird es auch für den Büh­nen­wirt zu viel: 20 Jah­re im Tur­bo-Modus. Zeit für eine Aus­zeit. Nach­denk­pau­se.

Das Gäs­te­haus am Lebens­weg

Heu­te ist es im ehe­ma­li­gen Büh­nen­wirts­haus ruhi­ger gewor­den. Ein neu­er­li­cher Wan­del hat sich ein­ge­stellt. Die­ter hat im Jahr 2017 – wäh­rend sei­ner fünf­jäh­ri­gen Aus­zeit — den Lebens­weg gestal­tet und imple­men­tiert. Das Gehen ist zu einem wesent­li­chen Bestand­teil sei­nes Lebens gewor­den. Beim Gehen kommt auch das Nach­den­ken. Kom­men neue Ideen. DAS, wor­auf es im Leben viel­leicht ankommt, das fin­det hier eine Form und einen pas­sen­den Rah­men.

Nun hat sich das Haus neu­er­lich gewan­delt. Jus­ter – Das Gäs­te­haus am Lebens­weg, ein Haus zum Ankom­men. Zum Über­nach­ten. Zum Blei­ben und Genie­ßen.

was zählt, ist der Mensch

Es ist ein Haus mit einer sehr per­sön­li­chen Note gewor­den. Unse­re Gäs­te lie­ben den Aus­tausch mit uns, dafür neh­men wir uns auch Zeit. Unse­re Gäs­te genie­ßen die Ruhe, die fami­liä­re Atmo­sphä­re und die wun­der­ba­re Natur rund­um. Klingt viel­leicht unspek­ta­ku­lär – aber das darf es auch sein.

Hier geht es mitt­ler­wei­le um eine beson­de­re Qua­li­tät, die uns wich­tig ist. Die den Gäs­ten zugu­te­kommt und die auch auf unser Leben maß­geb­lich Ein­fluss hat.

Und wie ist das nun mit dem Wirts­haus? Es ist unse­re Geschich­te, die Geschich­te des Hau­ses. Wir kochen abends für unse­re Gäs­te. Wir rich­ten für die Men­schen vor Ort Fes­te aus. Wir beher­ber­gen eine inter­es­san­te Rei­he von Semi­na­ren. Und wir lie­ben es, Groß­fa­mi­li­en bei uns für eine paar Tage auf­zu­neh­men, die das Haus dann ganz für sich haben und von uns gut ver­sorgt wer­den. Und hin und wie­der gibt es ein Sonn­tags­es­sen für die Men­schen aus der Umge­bung. Wild­saubra­ten, Rip­per­les­sen – ganz so wie frü­her.  

Aus­zeit zeit­ge­mäß

Aber der Wan­del betrifft ja nicht nur das Haus. Die Zei­ten ändern sich, sagt man nicht so? Was zeich­net unse­re Gäs­te aus? Es ist eine gro­ße Band­brei­te an Anfor­de­run­gen, mit denen ein Beher­ber­gungs­be­trieb heu­te kon­fron­tiert ist. Indi­vi­du­ell, wie die Gäs­te und ihre Vor­lie­ben, so ist auch unser Pro­gramm. Fami­li­en mit Klein­kin­dern, Ein­zel­per­so­nen mit Hun­den, betag­te Eltern mit ihren erwach­se­nen Kin­dern und Enkel­kin­dern. Semi­nar­gäs­te. Wan­de­rer und Rad­fah­rer, die ihre Etap­pe hier been­den und früh­mor­gens wei­ter möch­ten. Lang­schlä­fe­rin­nen, Sports­ka­no­nen, Fau­len­ze­rIn­nen.

Für alle die­se Men­schen ver­su­chen wir einen wohl­wol­len­den Umgang zu fin­den. So klein, wie wir sind, so fle­xi­bel sind wir auch.

Das gute Leben für alle

Moden und Trends mögen sich wan­deln. Auch wir, als Men­schen auf unse­rem per­sön­li­chen Lebens­weg, wir wan­deln uns. Nach einer stür­mi­schen Lebens­pha­se kom­men nach­denk­li­che­re Jah­re. Der Tages­ab­lauf darf auch ein paar Pau­sen beinhal­ten. In der ruhi­ge­ren Jah­res­zeit wird für ein paar Tage zuge­sperrt. Dann gehen auch die Wirts­leu­te wan­dern. So wie auch im Novem­ber. Das ist mitt­ler­wei­le gute Tra­di­ti­on: eine Rei­se in den Süden, da wo auch im Novem­ber noch mehr­fach die Son­ne scheint und die Wie­sen grün sind. Und wo ein Nacht­zug hin­fährt, so dass der Urlaub bereits in Loos­dorf beginnt. Da gehen wir dann 3 Wochen zu Fuß durch die Land­schaft, ler­nen Land und Leu­te ken­nen. Atmen tief durch und genie­ßen es unter­wegs zu sein. Ein­fach so. Als wesent­li­cher Teil unse­res Lebens.

Über­zeugt? Kommt und seht! Hier geht es zur Zim­mer­bu­chung! Wir freu­en uns immer dar­auf, Men­schen ken­nen­zu­ler­nen, die das mögen, was wir machen!