Heute vor 12 Jahren:
Von den rund 1.300 Veranstaltungen, die wir im Bühnenwirtshaus organisiert haben, gibt es einige, an die ich mich besonders gerne erinnere. Eine davon ragt bis heute heraus: „Musik für die Seelen“ beim Viertelfestival 2014.
Der Viertelfestivalbeitrag „Gemma Gutenbrunn“ hatte damals den Anspruch, besondere Künstler, besondere Geschichten und außergewöhnliche Orte zusammenzubringen.
Karl Ritter spielte ein Gitarrenkonzert in der Pfarrkirche Gutenbrunn. Roland Düringer präsentierte auf einem Floß mitten im Biathlonteich im Wald Auszüge aus seinem Vortragsprogramm.
Für die meisten Diskussionen sorgte jedoch die Veranstaltung: „Musik für die Seelen“ am Friedhof Gutenbrunn.
Wir hatten die Bevölkerung eingeladen, für verstorbene Angehörige deren Lieblingslieder auszuwählen. Die Idee war einfach: gemeinsam erinnern – anhand der Musik. Für manche war das berührend, für andere grenzüberschreitend. Im Ort wurde viel diskutiert. Dass sogar mit der Staatsanwaltschaft gedroht wurde, machte die Vorbereitungen nicht einfacher.
Am Freitag, dem 13. Juni 2014, stellen wir Lautsprecher über den gesamten Friedhof verteilt auf. Gemeinsam mit Willi Resetarits, Peter Blau und Roswitha Hofer gehen wir im Gastgarten des Bühnenwirtshauses noch einmal das Programm durch.
Dass Willi Resetarits diesen Nachmittag moderiert, ist für mich etwas Besonderes. Über viele Jahre war er immer wieder bei Veranstaltungen im Bühnenwirtshaus zu Gast – in verschiedensten Formationen. Aus diesen Begegnungen war eine gegenseitige Wertschätzung entstanden. Umso mehr freut es mich, dass er sich auf dieses ungewöhnliche Projekt einlässt.
Dann beginnt die Veranstaltung.



Die Menschen kommen, setzen sich zwischen die Gräber und warten. Sonne und Wolken wechseln sich ab, der Wind bleibt ruhig. Es liegt eine besondere Spannung in der Luft. „Auf der Heide blühn die letzten Rosen“ erklingt. Dann begrüßt Willi Resetarits die Besucherinnen und Besucher mit den Worten: „Es ist eine neue Art des Totengedenkens. Wir wissen nicht, wie es werden wird. Gehört sich das? Wir denken schon. Gedenken vielleicht am besten mit Musik.“
In den folgenden zwei Stunden erklingen die Lieblingslieder verstorbener Menschen. Roger Whittaker, die Kern Buam, Reinhard Mey, Peter Gabriel, Robert Stolz, Frank Sinatra, Mercedes Sosa und viele andere.
Dazwischen erzählt Willi Resetarits, für wen die Musik gespielt wird, wer diese Menschen waren und wer ihnen das jeweilige Lied gewidmet hat. Es wird gelacht. Es wird geweint. Es wirde gestaunt, wie gut manche Lieder zu den Geschichten passen.
Ich habe als Veranstalter viele besondere Momente erlebt. Dieser Nachmittag zählt bis heute zu den bewegendsten und wichtigsten. Vielleicht, weil dort etwas spürbar wurde, das mich bis heute beschäftigt: Welche Spuren hinterlassen wir im Leben? Was bleibt von uns? Und wie erinnern wir uns aneinander?
„Musik für die Seelen“ war nicht nur ein Höhepunkt meiner Veranstalterzeit, sondern auch ein stiller Abschied von einer Lebensphase, die sich damals ihrem Ende näherte.
Rückblickend erkenne ich, dass an diesem Nachmittag vieles von dem angelegt war, was mich später auch beim Lebensweg und bei vielen anderen Projekten begleitet hat.
Und vielleicht ist es kein Zufall, dass wir auch heuer wieder ein Projekt für das Viertelfestival eingereicht haben. Ob daraus etwas wird, wissen wir noch nicht. Die Freude am Entwickeln ungewöhnlicher Ideen ist jedenfalls geblieben.
Manche Geschichten begleiten einen eben länger als andere.



Von dieser Veranstaltung existiert übrigens ein Mitschnitt. Wer sich dafür interessiert, kann sich gerne bei mir melden. Auch zwölf Jahre später berührt mich das Wiederanhören dieses besonderen Nachmittags.
Weiterführende Links
Manche Wege führen weiter. Wer mehr erfahren möchte:
- Der Lebensweg – Informationen zum Weitwanderweg durch das Waldviertel und den einzelnen Etappen.
- Viertelfestival Niederösterreich – das Festival, in dessen Rahmen „Musik für die Seelen“ 2014 entstanden ist.
- Kulturvernetzung Niederösterreich – die Organisation hinter dem Viertelfestival und vielen weiteren Kulturprojekten im Land.

