„Gemma Gutenbrunn“, der Viertelfestivalbeitrag 2014, hatte den Anspruch, besondere Künstler und besondere Geschichten zu präsentieren und außergewöhnliche Orte zu bespielen.
Karl Ritter gab ein Gitarrenkonzert in der Pfarrkirche Gutenbrunn, Roland Düringer brachte auf einem Floß am Biathlonteich, mitten im Wald, Auszüge aus seinem Vortragsprogramm.  Für Kontroversen sorgte aber ganz sicher „Musik für die Seelen“ am Friedhof Gutenbrunn. Wir hatten die Bevölkerung via Postwurfsendung eingeladen, sich für ihre verstorbenen Angehörigen deren Lieblingslieder zu wünschen. Damit hatten wir in den Augen mancher eine Grenze überschritten, und im Ort gab es viele Diskussionen – und dass mit der Staatsanwaltschaft gedroht wurde, machte die Vorbereitungen nicht leichter.

Freitag, 13. Juni 2014: Es war schon sehr spannend, als wir die vielen Boxen über den ganzen Friedhof verteilt aufstellten. Als der Soundcheck gemacht wurde, dann endlich Willi Resetarits, unser Moderator für dieses bemerkenswerte Vorhaben, eintraf. Als wir im Gastgarten des Bühnenwirtshauses das Programm mit Willi Resetarits, Peter Blau und Roswitha Hofer noch einmal durchgegangen sind. Dann am Friedhof. Das Ankommen – keine Störungen: Besucher sind da, sie sitzen zwischen den Gräbern und warten auf das, was da kommen möge. Das Wetter ist etwas  wechselhaft mit relativ wenig Wind, Sonne und Schatten wechseln einander ab. Wird Regen kommen?

„Auf der Heide blühn die letzten Rosen“, und dann die Stimme von Willi Resetarits: „Ich möchte Sie ganz herzlich begrüßen … Es ist eine neue Art des Totengedenkens, wir wissen nicht, wie es werden wird … Gehört sich das? Wir denken schon … Gedenken am besten mit Musik …“ Musik von Roger Whittaker, den Kern Buam, Reinhard Mey, Peter Gabriel, Robert Stolz, Frank Sinatra, Pierron & Knapp, Mercedes Sosa u. v. a. m. Dazwischen die Ansagen von Willi Resetarits: Für wen spielen wir dieses Lied? Wann hat die Person gelebt, welche Charakterzüge hatte dieser Mensch, und wer hat ihm dieses Lied gewidmet?

In diesen beiden Stunden herrschte eine Art von Verbundenheit, wie ich sie zuvor nur selten erleben durfte. Es wurde gemeinsam gelacht, gemeinsam geweint, darüber gestaunt, wie sehr die Titel zusammenpassten. Dieser Nachmittag war ein Höhepunkt in meiner Veranstaltertätigkeit. Sehr emotional. Vielleicht hat da für mich auch mitgespielt, dass meine Entscheidung, ab Ende April 2015 als Bühnenwirt eine Pause einzulegen, gerade in mir gereift ist.

 

Wenn Sie einen Mitschnitt wollen, schicke ich Ihnen sehr gerne einen Dropboxlink, dann können Sie die besondere Stimmung nachhören.
Kurzes Mail mit dem Betreff:  „Musik für die Seelen“ an dieter@juster.jetzt